
Weder Highend, noch Hightech, aber umwerfend ehrlich und klar. Die Länge liegt über 5 Meter und die Höhe fordert eigentlich eine mobile Treppe zum Boarding.
Modisches Gelärms und Look alike Chichi sind nicht die Sache des neuen Patrol. Deshalb auch gleich vorweg: Zwar ist auch die 3-türige Einstiegsvariante schon gut ausgestattet, aber knapp 30.000 werden dafür fällig. Diese Topversion „Elegance“ hat neben dem vorbildlichen Nissan-Navi und heller Leder Ausstattung vieles, was man in solch einem Wagen eher nicht erwartet. Wie z.B. die vorderen Freilaufnaben. Beim Fahren mit Heckantrieb rollt der Wagen beim Gaswegnehmen völlig frei. Man sieht das hier am Vergleich zwischen Drehzahl und Tacho. Keine Angst, Geländefans: schaltet der Fahrer den Frontantrieb zu, werden die Freilaufnaben natürlich nicht zur bösen Überraschung. Normalerweise fährt der Patrol also mit Heckantrieb. Sowohl Fünfgangschaltung als auch Automatik sind mit einem bis 40 km/h zuschaltbaren, zweistufigen Verteilergetriebe ausgestattet. Die Automatik hat „Overdrive“ sowie zwei spezielle Schaltprogramme für zügige Fahrweise und Winterbetrieb. Hinzu kommt ein Sperrdifferenzial mit begrenztem Schlupf oder eine zuschaltbare 100%ige Hinterachs-Differenzialsperre. Aber als erster Geländewagen überhaupt hat der Nissan Patrol aber einen elektrisch zu- und abschaltbaren Hinterachsstabilisator. Bei Fahrten auf normalem Untergrund bringt der Stabilisator hohe Wanksteifigkeit und Pkw-ähnliches Fahrverhaltens. Geht es in schweres Terrain, wo maximale Achsverschränkung gefordert ist, lässt er sich per Knopfdruck vom Cockpit aus abschalten. Diese Kombination macht übermütig, aber bei einer Länge über alles von 5 m 15 ist an Kuppen Vorsicht geboten.
Nach dem Geländegang kommt traditionell die Säuberung. Es gibt vereinzelt Waschanlagen, die verweigern solchen Autos die Dienstleistung. Das liegt dann aber eher an der Waschstraße oder der Versicherung der Tankstelle. Wir hatten nie Probleme, reinzukommen. Beim rauskommen kann das aber anders sein, denn in der Stadt leben unsere Smart-Fahrer einfach in einer anderen Welt. Wer hier nämlich den Porsche Cayenne monströs findet, hat wahre Größe nie gesehen. Die Breite von 1,94 fordert fahrerisches Können. Bei einer Höhe von 1,86 sollten handliche Menschen besser die Trittschwellen nutzen. Der Motor des Patrol hat 750 ccm ... je Zylinder und davon hat er 4. Zwar wurde die Leistung nur um 2 auf jetzt 160 PS gesteigert, aber das Drehmoment wuchs von 354 auf 380 Nm bei 2000 Touren. Die 3. Reihe lässt sich leicht wegklappen, wobei die Sitze noch archaisch festgezurrt werden müssen. Aber Kompliment: selbst im Gelände nervt kein Klappern oder Quietschen. Nissan hat mit dem „Modulated Fire“ Verbrennungssystem mit verzögerter Stufeneinspritzung Leistung und Verbrauch optimiert. Wir haben als tatsächlichen Mix-Verbrauch 12,7 Liter ermittelt, das ist für einen 3 Liter Diesel mit dem Gewicht völlig ok.
Auf dem Land ist der Patrol natürlich in seinem Element. Nie wird man von Überholern auf der Gegenspur genervt, denn die fahren im Angesicht der monströsen Front sofort äußerst rechts. Hier brabbelt der Diesel fast gelangweilt vor sich hin, weil sich die adaptive Automatik ziemlich schnell an den jeweiligen Fahrstil anpasst. Selbst dieses veritable Schlachtschiff mit seinen über 2,5 t lässt sich fast kinderleicht führen, weil man eben damen-leicht nicht sagen darf. Wenn der innerstädtische Kampf um jeden Quadratmeter Raum vergessen ist, wirkt plötzlich auch der Patrol überhaupt nicht mehr groß. Wo die Natur ihre Unbezwingbarkeit in Szene zu setzen scheint, verbreitet dieses Fahrzeug das Gefühl, gut gewappnet zu sein. Weltweit ist der Patrol als hartes Arbeitspferd und authentischer 4x4 bekannt. Er klettert wie eine Bergziege bis zu 39° steile Hänge hinauf. Spätestens bei solchen Werten wird der Unterschied klar, denn die M-Klasse z.B. schafft gerade mal 26° Böschungswinkel und hat eine Wattiefe von 50 cm. Der Nissan verschluckt sich auch bei 70 cm noch nicht und kann bis zu 3,5 Tonnen ins Schlepptau nehmen.
Speziell für den russischen Markt wird in diesen Patrol übrigens ein 4,8 Liter Reihen-6-Zylinder mit 245 PS und 400 Nm eingebaut. Auch vor einem 4-Sterne-Hotel wirkt der Patrol nun nicht mehr fehl am Platz. Besonders unsere Ausführung Elegance nimmt das Rustikale im Styling weit zurück. Es ist gerade diese Mischung aus Urviech und Luxus, die den neuen Patrol so faszinierend macht. Natürlich kann man sich fragen, ob solche Fahrzeuge noch zeitgemäß sind. Kann man sich fragen, wenn man im uteralen Schutz der Zivilisation lebt, wenn man sich in der Stadt über 60 sec Verspätung bei der Bahn aufregt. Wer allerdings die alt eingefahrene Schiene verlassen will, wer sich seine Richtung nicht vorschreiben lässt, der braucht Bewegungsfreiheit. Dafür eignet sich der Patrol perfekt, als authentischer 4x4, als Original, eben einer der letzten seiner Art.